News list item creator img

Kronen Zeitung

vor 4 Stunden
SV Austria SalzburgSalzburg

„KRONE“-INTERVIEW

Kirchler: „Die Bundesliga ist noch unrealistisch“

Sebastian Steinbichler

Austria Salzburg hat sich in der 2. Liga sehr gut eingelebt und steuert dem Klassenerhalt entgegen. Die „Krone“ bat Sportboss Roland Kirchler zum großen Interview und sprach mit ihm über die Zukunft des Vereins, Geschäfte mit Red Bull, die finanzielle Situation und das große Ziel Bundesliga.


„Krone“: Herr Kirchler, wie haben Sie die Länderspielpause verbracht?
Roland Kirchler: Ich war daheim, mit der Familie und im Haus ist immer etwas zu tun. Aber wir haben in den letzten Tagen auch viel im Verein gearbeitet. Es ist eine Herausforderung, die Amateurverträge in Profiverträge umzuwandeln. Da fallen Lohnnebenkosten an und fressen vom Budget etwas weg, ohne dass wir einen neuen Spieler dazubekommen haben. Dann müssen wir schauen, was übrig bleibt. Die richtige Arbeit geht aber trotzdem jetzt erst los. Von unserer aktuellen Mannschaft haben bisher nur Florian Rieder und Gabriel Marusic einen Vertrag für die kommende Saison. Ich hoffe schon auch darauf, dass man einmal Zwei-Jahresverträge hergibt. Vor allem auch für jüngere Talente wie Tobias Rohrmoser oder Nico Lukasser-Weitlaner, damit man sie ein bisschen länger an den Verein bindet und sie irgendwann einmal auch verkaufen kann, im besten Fall.

Wie sehen Sie die Chancen, Leistungsträger zu halten? 
Ja, das ist das Pokerspiel im Fußball. Ich habe schon mit vielen Spielern geredet, aber Zahlen habe ich noch keine vorlegen können, das ist jetzt der nächste Schritt. Aber ich glaube schon, dass wenn sich beide Seiten bemühen, wenn es auch dem Spieler etwas wert ist, zu bleiben, dass wir dann zusammenkommen. 

Bild: Andreas Tröster

Der Kader ist generell groß. Wie wird er sich verändern?
Wir haben noch ein paar Altverträge, die wir schon auflösen wollten. Im Winter hat sich das aber nicht ergeben. Wir werden in der Kaderbreite den einen oder anderen Spieler weniger haben, aber in der Qualität nach oben gehen. Für mich ist das Geheimnis im Fußball schon, dass man einen Stamm und eine Mannschaft zusammenhält und dann punktuell verstärkt. 14 Stammspieler, drei bis vier neue Kicker und im Hintergrund noch ein paar Jüngere, die sich entwickeln können, das wäre so in etwa mein Plan.

Wer sind für Sie die Spieler, die der Verein aus Ihrer Sicht halten sollte?
Alle, die jetzt immer gespielt haben, alle, die jetzt regelmäßig Einsätze gehabt haben. Einen Spieler wie den Gebi (Christian Gebauer, Anm.), der gerade verletzt ist, muss man schon weiter verpflichten, wenn es finanziell möglich ist. 

Bild: Andreas Tröster

Das heißt, Spieler, die bislang keine Rolle gespielt haben, werden das auch in der kommenden Spielzeit nicht tun?
Das ist der Lauf der Dinge, so beinhart ist das. Da haben wir im Sommer schon einen Schritt gehen müssen, ohne den es nicht gegangen wäre. Wir haben vergangene Woche eine Sitzung gehabt, wo wir über den Stamm gesprochen haben. Es ist jeder für sich selber verantwortlich. Der eine oder andere Spieler hat noch die Chance, zu zeigen, dass er dabei sein will. 

Sind die Spieler schon informiert, mit denen nicht mehr geplant wird?
Ich bin immer ein ehrlicher Mensch, das bin ich mit allen. Unterm Strich ist noch Zeit genug, sich zu empfehlen. Dass natürlich die Spieler, die viel gespielt haben, die besseren Karten haben, ist auch logisch.

Mit Tobias Rohrmoser, einem Talent von Red Bull, hat der Verein einen neuen Weg eingeschlagen. Sollte man aber nicht generell schauen, mehr solche Spieler zu bekommen? 
Ja, von der Red Bull-Akademie kommen viele gute Jungs raus. Alle gehen da nicht bis rauf in die Kampfmannschaft, einige bleiben auch liegen. Meistens sind sie hier aufgewachsen, da ausgebildet, man braucht auch keine Wohnung, was für uns natürlich auch von Vorteil ist. Wenn ein interessanter Spieler da ist, dann sind wir, denke ich, so vernünftig, dass wir uns mit dem beschäftigen müssen. 

Bild: GEPA

Sie sind der einzige Scout im Verein. Wie genau haben Sie den Markt im Überblick? 
Wir sind in der glücklichen Situation, dass ich den Zweitligamarkt oder Bundesligamarkt natürlich gut kenne aus meiner Vergangenheit. Da versuchen wir halt, dass wir Spieler, die woanders nicht zum Zug kommen, zu uns holen. Ganz einfach ist das nicht, weil wir natürlich keinen Bundesligaspieler zahlen können. Und die jungen Bundesligaspieler kosten auch gleich einmal 100.000 Euro Brutto mit Lohnnebenkosten und mit Wohnung. Auch deshalb will ich auch nicht zu viele Spieler holen, weil es erstens nicht gut ist für die Kontinuität und für den Aufbau einer Mannschaft. Den einen oder anderen Führungsspieler im Sommer dazuzuholen wäre super. Die Richtigen zu finden, wird aber nicht leicht.

Das Trainerteam bleibt erhalten?
Ich wüsste nicht, was zu ändern wäre. Im Endeffekt muss ich beurteilen, ob die Qualität passt – und das tut sie. Grundvoraussetzung war für mich, dass sie am Nachmittag trainieren können. Oder im Winter auch mal zur Mittagszeit. Das haben sie garantieren können. Deshalb machen wir so weiter.

Bild: Andreas Tröster

Das Thema Budget ist bei der Austria ein großes Thema. Sehen Sie da eine Steigerung? 
Ich weiß jetzt noch nicht genau, wie viel es sein wird, aber wir werden mehr bekommen. Und wir brauchen natürlich auch Geld etwa für unseren Trainingsstandort Rif, weil wir da unsere Kapazität erhöhen müssen.

Sie haben immer wieder davor gewarnt, dass der Verein nichts übersehen darf. Haben Sie das Gefühl, dass da etwas in die Gänge gekommen ist? 
Das ist passiert. Es gibt sechs Gänge, wir sind jetzt mal angestartet. Aber wir schalten schon rauf. Der Verein kann natürlich auch noch nicht genau sagen, welche Sponsoren genau wie viel zahlen. Da sind Hubert Palfinger und Claus Salzmann dabei, dass man da mit den alten Sponsoren ein bisschen zu einer Erhöhung kommt. Zuschauer bringen wir nicht mehr rein. Mit dem können wir nicht rechnen. Wir können maximal die Preise erhöhen, was wir nicht wollen. 

Bild: Austria Salzburg

Wie hat sich die Aufmerksamkeit für die Austria aus Ihrer Sicht geändert? 
Ich glaube, am Anfang sind wir ein bisschen belächelt worden. Aber mit unserem Material und unserem Budget haben wir uns schon einen ganz guten Ruf erarbeitet und jetzt sagt keiner mehr: Die steigen gleich wieder ab. Das wollen wir nächstes Jahr festigen. Wo die Reise dann hingeht, hängt auch immer davon ab,  wie viel Geld wir haben. Wenn wir den einen oder anderen Tausender mehr finden, können wir natürlich auch mehr Qualität herholen, sprich an der Tabelle wahrscheinlich auch ein bisschen weiter oben sind. Wobei in der Liga natürlich jeder jeden schlagen kann, das war jetzt ja auch wieder ersichtlich.

An welchen Punkten soll die Professionalisierung der Austria sichtbar werden?
Im Gesamtauftritt. Aber vor allem mit Trainingsbedingungen, die wir jetzt schaffen. Wir haben mehr Einheiten, werden körperlich zulegen. Da haben wir mit Rif auch einen Partner, bei dem wir uns bedanken müssen, weil sie uns die Hand reichen.

Wie sehen Sie das langfristige Ziel Bundesliga?
Für mich ist das noch nicht realistisch. Das zweite Jahr als Aufsteiger ist oft gefährlicher, aberich glaube, wir können das gut meistern, weil wir einen Stamm gefunden und eine gefestigte Mannschaft haben. Am Liebsten möchte ich heute in der Bundesliga sein, aber es muss vorbereitet sein und auch Sinn machen. In der Bundesliga braucht man halt sieben, zehn, vielleicht 15 Millionen Euro an Gesamtbudget. Wir haben derzeit in etwa zwei, da fehlt uns also noch etwas.  Und dann werden wir irgendwann einmal unsere Stadionthematik auch angehen müssen, weil mit diesem Stadion werden wir nie weiter nach oben denken können. 


Mehr zu diesem Beitrag gibt es auch auf krone.at

Vorteilswelt

Weitere News

Elf der Runde

Aktuelle Votings & Ergebnisse

Soccer field